
Viele Menschen – wahrscheinlich sogar du selbst – kennen dieses Gefühl: beruflich oder privat auszubrennen und den Anforderungen von Job, Familie oder dem Alltag allgemein nicht mehr gewachsen zu sein. Für manche Menschen gehört es (leider) sogar zum Leben dazu, gestresst zu sein, weil sie sich dadurch gebraucht und wertvoll fühlen.
Obwohl viele Menschen unter Stress leiden, gibt es für ihn keine ärztliche Diagnose. Vielmehr sind es die Krankheitssymptome und Erkrankungen zu denen Stress führen kann, die diagnostiziert werden können.
Stress Definition
Der Begriff leitet sich aus dem Englischen ab und heißt so viel wie Belastung, Spannung oder Druck. Der kanadische Mediziner Hans Selye nutzte diesen Begriff erstmals für einen körperlichen Zustand unter Belastung, der durch Anspannung und Widerstand gegen äußere Einflüsse gekennzeichnet war. In einer modernen Fassung wird Stress definiert als die Summe von starken, neuen, anhaltenden und widersprüchlichen Reizen, die sowohl von außen als auch innen auf einen Menschen einwirken. Dabei sind Stressreize hauptsächlich subjektive Belastungen und Einstellungen.
Eustress und Disstress
Nicht jeder Stress ist schlecht. Positiv empfundenen Stress bezeichnen wir als Eustress. Er führt zur kurzfristigen Aktivierung des Organismus und herrscht vor, wenn wir uns motiviert und aktiviert fühlen und eine herausfordernde Aufgabe erledigen, die uns zwar stark fordert, jedoch nicht überfordert.
Disstress bezeichnet dagegen den negativ empfundenen Stress. Er geht über die kurzfristige Aktivierung des Organismus hinaus und kann gesundheitsgefährdende Auswirkungen haben, die den Organismus auf verschiedenen Ebenen schädigen.
Stressoren, Stressreaktion und Stressverstärker
Folgende drei Ebenen wirken auf das Stressgeschehen in uns.
Stressoren – sind äußere Bedingungen und Situationen. Sie werden unterteilt in physikalische (Hitze, Nässe, Lärm etc.), körperliche (Verletzung, Schmerz etc.) und soziale Stressoren (Konkurrenz, Isolation, Verlust etc.) sowie Leistungsstressoren ( Zeitdruck, Überforderung etc.)
Stressreaktionen – sind körperliche und psychische Antworten auf diese Belastungen. Man unterscheidet hierbei in Reaktionen auf körperlicher Ebene (beschleunigter Herzschlag, hohe Muskelanspannung etc.), kognitiv-emotionaler Ebene (grübeln, Angst, Ärger etc.) und Verhaltensebene (Ungeduld, Hektik, Suchtmittelkonsum etc.)
(persönliche) Stressverstärker – sind individuelle Motive, Einstellungen und Bewertungen, mit denen wir an ein potenziell belastende Situation herangehen (Perfektionismus, Einzelkämpfer etc.). Diese Verstärker sind mitentscheidend dafür, ob und wie heftig eine Stressreaktion auftritt.
Stressoren und die persönlichen Stressverstärker stehen in unmittelbarem Zusammenhang. Lösen diese eine langfristige Stressreaktion aus, kommt es zu Erschöpfung und/oder Krankheit.
Die Zunahme der Fehlzeiten am Arbeitsplatz aufgrund psychischer Erkrankungen hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen und ist mittlerweile Grund Nummer 1 für Fehlzeiten auf der Arbeit. Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) prognostiziert einen weiteren Anstieg psychischer Erkrankungen.
Aufgrund dieser Prognose wird zukünftig die Prävention dieser Erkrankung immer wichtiger. Viele Menschen müssen lernen, mit psychischen (aber auch chronischen körperlichen) Erkrankungen umzugehen, die aufgrund von Stress entstanden sind.
Prävention vs. Gesundheitsförderung
Die Prävention (Krankheitsvorbeugung) orientiert sich an Diagnosen und versucht, daraus Rückschlüsse auf bestimmte Risikofaktoren zu ziehen.
Die Gesundheitsförderung geht darüber hinaus. Die Ziele der Gesundheitsförderung sind:
- Menschen zu einer gesundheitsförderlichen Lebensweise zu befähigen (individueller Ansatz) und
- Gesundheitsförderliche Umwelten z.B. in Betrieben und anderen Organisationen zu schaffen (struktureller Ansatz)
Das Hauptanliegen der Gesundheitsförderung besteht in der Stärkung der salutogenetischen Faktoren (Salutogenese = Gesundheitsentstehung). Diese Faktoren sind:
- körperliche und psychische Widerstandskraft (Resilienz)
- Förderliche Lebenseinstellung
- Bewältigungskompetenzen
- Soziale Ressourcen
Die Gesundheitsförderung setzt also an den Lebensbedingungen sowie am Verhalten der Menschen an. Es sollen Widerstandskräfte und Schutzfaktoren mobilisiert und Lebensbedingungen geschaffen werden, die positives Denken, Fühlen und einen Ausgleich zwischen Be- und Entlastung erlauben.